Kleine Bärengeschichte – Bärenbegegnung bei der Goldsuche in Alaska 2010

Kopf vom Braunbär (Grizzly)

An einem Tag während der Goldsuche an einem goldführenden Bach war ich alleine unterwegs und ging mit dem Metalldetektor im Bach, um dort metallhaltige Signale zu finden, also um Nuggets oder Spalten mit Konzentrationen mit Flittern und Nuggets zu entdecken.

Auf den Hängen links und rechts vom Bach wachsen rote und blaue Beeren und zumindest die blauen Beeren sehen eigentlich genau wie Heidelbeeeren aus. Aus diesen Gründen war ich auch der Meinung, das es hier vielleicht Bären geben könnte, die aber „oben gemütlich ihre Beeren pflücken würden“. Außerdem habe ich immer ein Bärenglöckchen am Rucksack, damit mich ein Bär schon aus der Ferne hören und mir so aus dem Weg gehen würde.

Auf der Suche nach einer vielversprechenden Stelle horchte ich auf die Signale vom Metalldetektor und markierte die Signalstelle unter Wasser per Kreide. Den Metalldetektor ließ ich an der Bachböschung liegen, um die restliche Ausrüstung von der letzten Fundstelle zu holen.

Dort lag mein noch ein großer Rucksack und die restliche Ausrüstung, wie meine Handpumpe, Sieb, Pfanne, Schaurohr, Digitalkamera, Stativ, Trinken, Essen,  kleinere Werkzeuge und eine lange Brechstange zum Aufbrechen und Lösen von Platten. Nachdem ich alle Sachen gepackt hatte und beide Hände voll hatte ging ich gemütlich zur bachabwärts gelegenen Fundstelle in Erwartung einen schönen Nuggetfunds.

So laufe ich also links vom Bach bachabwärts gehend auf der Uferböschung, da springt plötzlich ein Bär von der linken Hangseite hinter einem Busch hervor, kaum 20 Meter vor mir. Während ich den Bären sofort sehe und erschrocken eine gefühlte Ewigkeit (eine halbe Sekunde?) gelähmt herumstehe und mir 1000 Gedanken im Kopf herumspuken – sieht mich der Bär nur Sekundenbruchteile später ebenfalls.

Es läuft mir eiskalt den Rücken herunter. Allerdings habe ich nicht den Impuls wegzurennen, zumal es ja am Ende des Tages nach langer Arbeit, ich also „KO“ war und sowieso schwer bepackt war. So stand ich wie gelähmt und schaute auf den Bären. Noch während ich aus der Schreckstarre erwache, an meinem Bärenspräy herumzupfe, den Bären nicht aus den Augen lassend und das Bärenspray erreichen will – war die Situation längst entschieden.

Der Schwarzbär sprintet den Berg locker 30 Meter hoch, hält hinter einem Baum an. Dort stellt er sich auf die Hinterbeine, streckt sich in die Höhe und lugt hinter dem Baum zu mir hervor, schnüffelt nach mir und schaut wer ich denn bin und was ich wohl hier mache. Schwarzbären gelten normalerweise nicht so aggressiv wie die Braunbären (Grizzly’s), die Kopfform nimmt der „erfahrene Wanderer“ als Unterscheidungsmerkmal. Ich sah eher die schwarze Farbe und hatte gehofft, dass es eher ein Schwarzbär ist…

Die Schnelligkeit des Bären hat mich stark beeindruckt und meine vorher gefasste Idee, ich renne dem Bären weg, indem ich den Hang erklimme, verschwand kümmerlich. Der Bär war bestimmt 2-3 mal schneller als ein Mensch, aber zumindest schneller als ich es jemals sein könnte, dass ich einen großen Rucksack auf hatte und beide Hände voll – mal nicht mit eingerechnet.

Das Bärenspräy habe ich an meinen Rucksackriemen vorne eingehakt. Allerdings ist es in einer Tragevorrichtung per Klettverschluss vor dem Herausfallen gesichert und zusätzlich ist der Drückmechanismus des Sprays durch einen Plastikkeil gesichert, damit man nicht versehentlich das Spray auslöst. Während ich nun endliche mein Bärenspray in der Hand halte und es entsichert habe, schnüffelt der Bär, aufgerichtet und schaut zu mir herüber. Ich spreche laut vor mich hin und rufe sehr laut immer wieder „ho ho ho“, um zu zeigen, das ich kein Tier bin und somit keine Beute darstelle. Eigentlich sollte man hier sprechen und nicht nervös „Grunzlaute von sich geben…“

Während ich den Weg schon verlassen habe und bis zur rechten äußersten Seite des Baches hineingelaufen bin, rechts neben dem Bach geht ein einfach nur senkrecht nach oben, zieht der Bär nach ein paar Sekunden schon ab. Er verlässt also seinen schützenden Baum und sieht in meiner Person wohl keine Gefahr.

Warum der „Angsthasenbär“ sich vor mir so erschrocken hatte kann ich mir nur so erklären, dass der Schwarzbär zuvor noch nie einen Menschen gesehen hatte und ich mit den ganzen bepackten Sachen recht groß erschien. Vermutlich wird sich auch kaum ein Lebewesen so dem Bären nähern. Das Bärenglöckchen, was genau vor diesen Bärenbegegnungen schützen sollte, hat einfach nur kläglich versagt. Der Bach weist an dieser Stelle eine gutes Gefälle auf und führte viel Wasser mit sich, so dass es recht laut rauschte und alle Geräusche in der Umgebung verschluckte.

Im Bach langsam laufend entferne ich mich und auch der Bär trottet wieder, ca. 50 Meter hinter mir auf den Weg zurück. Während ich zur Nuggetstelle laufe, schaue ich natürlich alle zwei Schritte nach hinten, rechts und links. Der Bär überquert aber nur noch lässig den Bach und hinter einer Bachbiegung ist er bald aus meinem Sichtfeld verschwunden, ca. 200 Meter von meiner Position entfernt.

Das Bärenspräy in der der Hand und zunehmend immer glücklicher, auf Grund der entspannten Situation laufe ich zu meiner potentiellen Nuggetstelle, jedoch mit dem Gedanken, an diesem Tag (es gegen 20:00 Uhr) nicht mehr alleine das Nugget zu bergen. Lieber komme ich mindestens zu zweit am nächsten Tag wieder, um weiter zu machen und laufe mit diesem Gedanken um die 300 Meter weiter, bepackt wie ein Maultier.

Angekommen an der „Nuggetstelle“ lege ich die Sachen ab und packe meinen großen Rucksack für den Rückweg. Noch beim Packen schaue ich ab und zu nach rechts und links, dabei schaue ich immer bachaufwärts, nicht das der Bär auf die Idee kommt nochmal vorbei zu schauen – schmunzel.

Gerade habe ich den Rucksack fertig gepackt, gurte ihn auf den Rücken und möchte nun bachabwärts loslaufen, da gefriert mir das Blut in den Adern. Steht doch vor mir erneut der Bär, aber dieses Mal nur knapp 10 Meter entfernt. Dazu kommt noch, dass es er seinen Kopf bedrohlich hin und her wirft und der von mir getaufte „Angsthasenbär“ sieht auch gar nicht mehr so ängstlich aus.

Das Bärenspray war ja schon entsichert und beim Verpacken des Rucksacks habe ich es abgestellt, um die Hände für das Zusammenpacken frei zu haben. So habe ich dieses Mal sofort das entsicherte Bärenspray sprühbereit in meiner Hand und fange auch gleich an mein „ho ho ho“ tief und laut zu reden an – naja eher zu brüllen…

Durch die Nähe des Bären und dem Anschleichen war ich einfach überrumpelt und sehr erschrocken. Anscheinend hat mich also der Bär trotz meiner ständigen Rück- und Seitenblicke unbemerkt am Hang überholt und stand so plötzlich vor mir. Vom „Angsthasenbär“, wie gesagt keine Spur mehr und das Umherwerfen des Kopfes sieht von Augenblick zu Augenblick immer bedrohlicher aus. Der kurz gefasste Gedanke dem Bären entgegen zu rennen und falls er dieses Mal nicht flüchtet oder falls er aggressiv wird ihm ordentlich mit dem Bärenspray „einzuseifen“ geistert auch nur kurz in meinem Kopf umher und so reiße ich meinen Detektor hoch, als eine Art Schild oder Geweih, damit ich größer erscheine. Ob dies an dieser Stelle sinnvoll war, kann ich nicht genau sagen. Bären sehen allerdings sehr schlecht und lassen sich von der Größe beeindrucken.

Nun handele ich recht schnell und während ich den Bären nicht aus den Augen lasse, laufe ich bewusst langsam und laut redend in den Bach bis zur äußersten rechten Seite (ein senkrechter steinerner Hang versperrt den Weg nach rechts oben) und laufe so dem Bären aus dem Weg. Während ich behutsam in den Bach laufe habe ich zwei Mal das Gefühl, dass der Bär lostraben möchte und ich schreie jeweils noch lauter und halte den Detektor sehr hoch.

An der rechten Seite des Baches noch nicht ganz angekommen setzt sich der Bär in Bewegung, glücklicherweise jedoch zu meinen Depot mit den abgelegten Sachen und lässt mich in Ruhe. So kann ich den langsam den aufgerichteten, aber immer schwerer werdenden Detektor herunter nehmen und habe noch einen Rückweg von 30 Minuten zum Lager.

 

Bachbett (seichte Stelle)

Bild: Bachbett, seichte Stelle – mit Blick bachaufwärts

Jeden Schritt schaue ich nun noch besorgter nach links, rechts und nach vorn und nach hinten. Ganze Passagen durchquere ich anstrengend durch Stromschnellen im Bachwasser, sobald der Weg mit vielen Büschen auf der linken Seite mir nicht vertrauensvoll ausschaut und die Sicht versperrt. Aus einem halbwegs komfortablen Fußmarsch von 30 Minuten normaler Wegzeit wird ein langer Rückweg zum Camp.

Im Camp angekommen wird mir erst nicht geglaubt und gedacht ich mache Scherze. Nach meinen Details wird mir letztlich doch noch geglaubt und die Begegnung wird das Hauptthema am Abend. Natürlich bleiben die Kommentare nicht aus, warum ich keine Fotos gemacht hätte und andere Späße. Glaubt mir, in dem Moment der Bärenbegegnung war mir nicht danach Fotos zu schießen. Lustigerweise wurde mir am Morgen gesagt, dass der Schlaf sich nicht so leicht einstellen wollte und dass Geräusche nahe eines Schlafzeltes, „große Aufmerksamkeit“ erregten und man sich aber lieber nicht aus dem Zelt wagte…schmunzel.

Am nächsten Tag, in größerer Gruppenstärke – zu zweit, holte ich dann die abgelegten Sachen ab. Kurz vor dem Depot, wo ich meine Sachen gelassen hatte fanden wir dann auch eine größere Hinterlassenschaft des Bären – anscheinend ein netter Vegetarier!

Hinterlassenschaft vom Schwarzbär

Bild: Exkrement vom Schwarzbär, Beeren sind deutlich sichtbar

Solange der Bär weiß, dass er ein Vegetarierer ist, ist ja auch alles gut.

Das Signal, also das vermeintliche Nuggetsignal stellte sich schließlich als verrosteter Eisennagel heraus.

 

Hinweis: Bitte begeben Sie sich nicht in Gefahr – Wildtiere sind unberechenbar!